Was ist Hyaluronsäure?
Hyaluronsäure ist eine körpereigene Substanz, die zum Beispiel in den Gelenken als „Schmiermittel“ wirkt. In der ästhetischen Medizin wird sie als Gel unter die Haut gespritzt und dient dort als Füllmittel, im Fachjargon „Filler“. Auch bei Kniearthrose wird Hyaluronsäure gespritzt, ein Nutzen ist dort aber laut dem deutschen Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen nicht belegt.
Die EU-Verordnung über Medizinprodukte führt Füllmittel, die in Haut oder Schleimhaut gespritzt werden, ausdrücklich als Produktgruppe ohne medizinischen Zweck an, für die ihre Regeln ebenfalls gelten sollen.
Wo wird Hyaluronsäure gespritzt?
In Studien untersuchte Stellen sind die Falten zwischen Nase und Mundwinkel (Nasolabialfalten), die Wangen, feine Linien um den Mund und die Lippen. An den Lippen soll das Gel Volumen geben.
Wie läuft eine Behandlung ab?
Die Ärztin oder der Arzt spritzt das Gel mit einer feinen Nadel oder einer Kanüle ein. Fachartikel raten zu kleinen Mengen je Einstich, wenig Druck auf den Spritzenkolben und einer ständig bewegten Nadelspitze, um Gefäße zu schonen. Ein Enzym namens Hyaluronidase kann das Gel wieder auflösen. Es wird vor allem eingesetzt, wenn nach der Behandlung Probleme auftreten.
Was gilt in Österreich?
Spritzen mit Hyaluronsäure sind laut Gesundheitsportal ärztliche Tätigkeiten, für die das Gesetz über ästhetische Behandlungen und Operationen (ÄsthOpG) gilt. An Personen unter 16 Jahren ist eine ästhetische Behandlung verboten. Bei 16- bis 18-Jährigen müssen sie selbst und die Erziehungsberechtigten schriftlich einwilligen, und behandelt werden darf frühestens vier Wochen danach.
Die „Lippenvergrößerung und Lippenaufpolsterung“ führt das Gesetz ausdrücklich unter den ästhetischen Operationen. Für ästhetische Operationen gelten zusätzlich eine ausführliche mündliche und schriftliche Aufklärung, eine Frist von mindestens zwei Wochen zwischen Aufklärung und Einwilligung sowie ein Operationspass.
Welche Nebenwirkungen und Risiken gibt es?
Häufige Nebenwirkungen sind Schwellung, Schmerzen, Rötung, Blutergüsse, kleine Knoten, Verhärtungen, Juckreiz und Verfärbungen der Haut. Meist klingen sie innerhalb weniger Wochen ohne Behandlung ab. Schwere Reaktionen wie starke Schwellungen sind selten.
Die gefährlichste Komplikation entsteht, wenn Gel in eine Arterie gelangt. Dann können Gewebe absterben und Narben, ein Sehverlust oder ein Schlaganfall folgen. Erblindungen nach Fillern sind selten, bilden sich aber oft nicht oder nur teilweise zurück. Besonders gefährdet sind Behandlungen an der Nase, zwischen den Augenbrauen, an der Stirn und an den Nasolabialfalten.
Ein Gefäßverschluss oder plötzliche Sehstörungen müssen sofort behandelt werden, meist mit einer hohen Dosis Hyaluronidase. Fachleute halten es deshalb für entscheidend, dass Behandelnde die Gefäße im Gesicht genau kennen und Komplikationen erkennen und behandeln können.
Wo liegen die Grenzen?
Für Behandlungen an den Lippen gibt es nach einer Übersichtsarbeit nur wenige hochwertige Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit. Komplikationen werden zudem nicht immer veröffentlicht, sodass ihre tatsächliche Häufigkeit unklar bleibt.