Was ist emotionale Intelligenz?
Mayer und seine Kolleg:innen beschreiben emotionale Intelligenz als Fähigkeit, treffend über Gefühle nachzudenken und Gefühle sowie das Wissen über sie zu nutzen, um das Denken zu verbessern. Sie umfasst also mehr als Empathie, die sich auf das Nachempfinden fremder Gefühle bezieht. Unter demselben Begriff laufen heute allerdings zwei recht verschiedene Vorstellungen.
Das Fähigkeitsmodell von Mayer und Salovey sieht emotionale Intelligenz als eine Form der Intelligenz. Ursprünglich umfasste es vier Bereiche: Gefühle wahrnehmen, verstehen, nutzen und regulieren. Gemessen wird sie mit Tests, bei denen Antworten richtig oder falsch sein können.
Sogenannte gemischte Modelle, zu denen auch Golemans Ansatz gezählt wird, fassen dagegen Persönlichkeitszüge, emotionale Fähigkeiten und Selbsteinschätzungen zusammen. Erfasst werden sie meist mit Fragebögen, in denen sich Menschen selbst einschätzen.
Woher kommt der Begriff?
Die Idee entstand laut dem Yale Center for Emotional Intelligence 1987 im Gespräch zwischen Peter Salovey von der Yale University und John D. Mayer von der University of New Hampshire. Die beiden bemängelten, dass Gefühle in den Theorien der Intelligenz keinen festen Platz hatten. In einem Fachartikel von 1990 beschrieben sie emotionale Intelligenz als Fähigkeit, mit und über Gefühle zu denken, um persönliche und soziale Ziele zu erreichen.
Gelesen wurde der Artikel zunächst wenig. Das änderte sich 1995, als Daniel Goleman ihn in seinem Bestseller „Emotional Intelligence“ aufgriff und das Interesse stark wuchs. Der heutige Leiter des Yale-Zentrums, Marc Brackett, kritisierte später, dass in der Diskussion danach Eigenschaften wie Optimismus und Selbstwertgefühl im Vordergrund standen. Diese seien eher Persönlichkeitszüge als emotionale Intelligenz.
Was sagt die Forschung?
Kritik gibt es vor allem an drei Punkten: unklaren Begriffen, großen Überschneidungen mit Persönlichkeit und allgemeiner Intelligenz sowie daran, dass zwei verschiedene Konzepte denselben Namen tragen. Eine Metaanalyse von 2010 fand, dass Fähigkeitstests die Arbeitsleistung uneinheitlich vorhersagen: In Berufen, in denen der Umgang mit Gefühlen zur Arbeit gehört, hing höhere emotionale Intelligenz mit besserer Leistung zusammen, in anderen Berufen nicht.
Lässt sich emotionale Intelligenz trainieren?
Trainings werden etwa für Gesundheitsberufe angeboten, die Studien dazu haben aber methodische Schwächen. Eine Metaanalyse von 2024 mit 17 Studien aus dem Gesundheitswesen fand nach allen Trainings höhere Werte. Deshalb könnten die Effekte überschätzt sein, und offen ist auch, wie lange und in welcher Form Trainings am besten stattfinden.