Ambivalenz bezeichnet das gleichzeitige Bestehen gegensätzlicher Gefühle, etwa Zuneigung und Abneigung gegenüber derselben Person. Den Begriff prägte der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler um 1910. Heute ist das Wort in der Alltagssprache ebenso gebräuchlich wie in der Psychiatrie.
Was ist Ambivalenz?
Ambivalenz bedeutet wörtlich „Doppelwertigkeit“ von Gefühlen. Gemeint ist, dass jemand zur selben Zeit Gegensätzliches empfindet, zum Beispiel einem Menschen gegenüber Liebe und Hass. Ein psychiatrischer Fachartikel von 2013 sieht es als grundlegende Entwicklungsaufgabe, ein gewisses Maß an Ambivalenz gegenüber geliebten Menschen auszuhalten.
Woher kommt der Begriff?
Eugen Bleuler bildete das Wort 1910 oder 1911 aus der lateinischen Vorsilbe ambi- und dem Wort Valenz. Er verstand unter affektiver Ambivalenz das Nebeneinander entgegengesetzter Gefühle. Das Eigenschaftswort „ambivalent“ ist laut Wörterbuch 1916 bei Sigmund Freud belegt.
Bleuler beschrieb die Ambivalenz in seinem Buch über die Gruppe der Schizophrenien von 1911 als eines der grundlegenden Krankheitszeichen. Seine Lehre wird oft mit den „vier A“ zusammengefasst: Assoziation, Affekt, Ambivalenz und Autismus. Eine Neubewertung von 2011 hält diese Kurzformel allerdings für eine Verzerrung, weil Bleuler andere Merkmale stärker betonte.
Welche Rolle spielt Ambivalenz bei Veränderungen?
Ambivalenz spielt auch eine Rolle, wenn Menschen ihr Verhalten ändern möchten, etwa beim Konsum von Alkohol oder Drogen. Hier setzt die motivierende Gesprächsführung an. Sie will die Motivation für ein Ziel stärken, indem sie die Gründe für eine Veränderung erkundet und die Ambivalenz auflöst. Das geschieht in einer Haltung von Akzeptanz und Mitgefühl.
Eine Cochrane-Übersicht von 2023 fand, dass motivierende Gesprächsführung den Substanzkonsum im Vergleich zu keiner Maßnahme kurzfristig verringern kann. Verglichen mit der üblichen Behandlung macht sie dagegen möglicherweise wenig oder keinen Unterschied. Ihr Vertrauen in diese Ergebnisse stufen die Autor:innen als mäßig bis sehr gering ein.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.