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Zöliakie

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Auf den Punkt gebracht

Zöliakie ist eine lebenslange Autoimmunerkrankung, bei der Gluten, ein Eiweiß aus Getreide wie Weizen, Roggen und Gerste, die Schleimhaut des Dünndarms entzündet. Der Darm kann dann weniger Nährstoffe aufnehmen. Die einzige Behandlung ist eine dauerhaft streng glutenfreie Ernährung, mit der sich die Darmschleimhaut meist erholt.

Was ist Zöliakie?

Bei Zöliakie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf an sich harmlose Bestandteile des Glutens, das auch Klebereiweiß genannt wird. Zusätzlich richtet es sich gegen die eigene Darmschleimhaut, deshalb sprechen Fachleute von einer Autoimmunreaktion. Das unterscheidet Zöliakie von einer Weizenallergie oder einer Weizensensitivität.

Der Name geht auf das griechische „koiliakós“ zurück, was „an der Verdauung leidend“ bedeutet, abgeleitet von „koilía“ für Bauchhöhle. Früher war auch von Sprue die Rede. Eine nachgewiesene Zöliakie haben etwa 1 bis 2 von 100 Menschen in Europa, und sie kann in jedem Alter auftreten.

Woran erkennt man Zöliakie?

Die Beschwerden sind sehr unterschiedlich, und manchmal fehlen sie ganz. Häufig sind Müdigkeit, Reizbarkeit oder Niedergeschlagenheit, Bauchschmerzen, anhaltender Durchfall oder Verstopfung und ein aufgeblähter Bauch. Erwachsene können an Gewicht verlieren, bei Kindern kann es zu Wachstumsstörungen kommen. Eine seltene Sonderform zeigt sich an der Haut mit brennendem Juckreiz und gruppierten Bläschen.

Bleibt die Zöliakie unbehandelt, werden die Zotten der Dünndarmschleimhaut flacher und nehmen weniger Nährstoffe auf. Mit der Zeit kann das zu Mangelerscheinungen wie Blutarmut, zu Osteoporose sowie zu Leber- und Nervenschäden führen. Wird über viele Jahre weiter Gluten gegessen, steigt auch das Risiko für bestimmte Krebsarten. Eine streng glutenfreie Ernährung kann diese Folgen vermeiden oder das Risiko senken.

Wie entsteht Zöliakie?

Voraussetzung ist eine bestimmte erbliche Veranlagung, die Gentypen HLA-DQ2 oder HLA-DQ8. In Deutschland tragen sie etwas mehr als 30 von 100 Menschen, doch nur etwa 2 bis 3 von 100 davon erkranken. Warum, ist noch unklar. Diskutiert werden zum Beispiel Darminfektionen, die Studienlage ist aber uneinheitlich.

Zöliakie tritt in Familien gehäuft auf. Daher wird empfohlen, dass sich Kinder und Eltern von Betroffenen ebenfalls untersuchen lassen. Auch Menschen mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes haben ein erhöhtes Risiko.

Wie wird Zöliakie festgestellt?

Am Anfang steht ein Bluttest auf bestimmte Antikörper gegen das körpereigene Enzym Gewebstransglutaminase. Erhöhte Werte sind ein Hinweis auf Zöliakie. Bestätigt wird die Diagnose meist durch Gewebeproben aus dem Dünndarm, die bei einer Magenspiegelung entnommen werden.

Der Bluttest ist nur aussagekräftig, wenn vorher ausreichend Gluten gegessen wurde. Wer eine Zöliakie vermutet, sollte deshalb nicht schon vor der Untersuchung auf Gluten verzichten.

Wie wird Zöliakie behandelt?

Die einzige Behandlung ist eine glutenfreie Ernährung, und zwar auf Dauer. Schon kleinste Mengen Gluten können die Darmschleimhaut erneut entzünden, als unbedenklich gilt nur, was ein paar Brotkrümeln entspricht. Gluten steckt in Weizen und verwandten Sorten wie Dinkel, Grünkern, Emmer und Einkorn sowie in Roggen und Gerste. Versteckt kann es auch in Fertiggerichten, Fruchtjoghurt oder Schokolade vorkommen, deshalb lohnt der Blick auf die Zutatenliste.

Hafer gilt als Sonderfall. Er ist an sich glutenfrei, kann aber bei der Verarbeitung mit glutenhaltigem Getreide verunreinigt werden und sollte daher nur als ausdrücklich glutenfrei gekennzeichnetes Produkt verwendet werden. Einige wenige Betroffene vertragen auch reinen Hafer nicht. Fachgesellschaften empfehlen deshalb, Hafer erst dann und zunächst in kleinen Mengen zu versuchen, wenn die Umstellung gelungen ist und die Beschwerden abgeklungen sind.

Magen-Darm-Beschwerden bessern sich oft innerhalb weniger Wochen, etwa zwei Drittel der Betroffenen sind nach sechs Monaten beschwerdefrei. Enzympräparate, die Gluten spalten sollen und als Nahrungsergänzung verkauft werden, sind bei Zöliakie nicht untersucht, von ihrer Einnahme wird abgeraten. An Medikamenten wird geforscht, bis zu anwendbaren Ergebnissen dürften aber noch Jahre vergehen.

Wo gibt es Unterstützung in Österreich?

Unterstützung im Alltag bietet die Österreichische Arbeitsgemeinschaft Zöliakie, ein Selbsthilfeverein für Kinder und Erwachsene mit Zöliakie und ihre Familien. Er informiert unter anderem über glutenfreie Ernährung, Rezepte, Urlaub und Gastronomie und organisiert regionale Treffen sowie Koch- und Backkurse.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (10)