Was ist die Raindrop-Massage?
Bei der Raindrop-Massage werden ätherische Öle auf die Haut aufgetragen. Der Name kommt vom englischen Wort „raindrop“, das Regentropfen bedeutet. In einer Befragung kanadischer Massage- und Körpertherapeut:innen wird sie zu den Massage- und Körpertherapien gezählt, als eine von über dreißig Techniken.
Kennzeichnend ist, dass zumindest ein Teil der Öle unverdünnt auf die Haut kommt. So beschreiben es der US-Fachverband NAHA und die US-Registrierungsstelle für Aromatherapeut:innen. Wie eine Behandlung im Einzelnen abläuft, ist in der medizinischen Fachliteratur kaum beschrieben. Beschreibungen des Ablaufs finden sich vor allem bei den Anbieter:innen selbst, weshalb dieser Text sie nicht übernimmt.
Wie sehen Fachleute der Aromatherapie die Methode?
Ein US-Fachverband der Aromatherapie sieht die Raindrop-Massage kritisch, die US-Registrierungsstelle für Aromatherapeut:innen lehnt sie ab. Der Berufsverband NAHA ordnet sie den Behandlungen zu, die Heilung von Krankheiten versprechen, etwa bei einer Verkrümmung der Wirbelsäule (Skoliose). Die Registrierungsstelle hat diese Haltung 2003 übernommen. Sie wertet das Auftragen unverdünnter Öle wie bei der Raindrop-Methode als unsichere Praxis und verweist dazu auf ihre Disziplinarordnung.
Als Grund nennt die NAHA, dass Haut sehr unterschiedlich empfindlich ist. Wie ein Mensch auf unverdünnte Öle reagiert, lässt sich deshalb kaum vorhersagen. Manche der verwendeten Öle können leichte bis schwere Hautreaktionen auslösen.
Welche Risiken haben ätherische Öle auf der Haut?
Unverdünnte ätherische Öle können die Haut reizen, Allergien auslösen und in größerer Menge giftig wirken. Sie sind Gemische aus vielen chemischen Verbindungen, die beim Einreiben über die Haut in den Körper gelangen. Das österreichische Gesundheitsministerium und die AGES halten fest, dass die äußerliche Anwendung unverdünnter Öle aus Sicherheitsgründen begrenzt ist, weil ihre Giftigkeit unterschiedlich ist.
Ätherische Öle können außerdem eine Kontaktallergie auslösen. Bei jedem weiteren Kontakt kann die Haut dann stärker reagieren. Auf verletzter, erkrankter oder entzündeter Haut sind unverdünnte Öle laut NAHA gefährlich, weil der Körper dann mehr davon aufnimmt und Allergien eher entstehen. Bei empfindlicher Haut empfiehlt der Verband vorher einen Hauttest an einer kleinen Stelle.
Als hautreizend führt der US-Fachverband NAHA unter anderem Oregano-, Thymian- und Zimtöl an. Wintergrünöl enthält viel Methylsalicylat und gilt als möglicherweise giftig. Für Säuglinge und Kleinkinder sind unverdünnte ätherische Öle laut Bundesinstitut für Risikobewertung nicht geeignet. Schon wenige Tropfen in Mund oder Nase können bei ihnen lebensbedrohliche Krämpfe des Kehlkopfs auslösen.
Bei Verdacht auf eine Vergiftung berät die Vergiftungsinformationszentrale rund um die Uhr unter 01 406 43 43. Zeigt ein Kind Atemnot, Krämpfe oder Bewusstseinsveränderungen, ist sofort die Rettung unter 144 zu rufen.
Auch die Massage selbst hat Grenzen. Bei Menschen mit erhöhtem Blutungsrisiko kann sie Blutergüsse verursachen, und auf Knochen mit Osteoporose oder Krebsabsiedlungen darf kein direkter Druck kommen.
Was weiß man über die Wirkung?
Studien zur Raindrop-Massage selbst sind in der medizinischen Literaturdatenbank PubMed nicht zu finden. Zur Aromatherapie-Massage gibt es zumindest einige Studien, etwa bei Menschen mit Krebs. Eine Cochrane-Übersicht dazu bewertete die Belege als sehr schwach. Ob ätherische Öle eine Massage wirksamer machen, ließ sich dort nicht beurteilen.
Wer bietet die Raindrop-Massage in Österreich an?
In Österreich hängt es vom Beruf ab, was bei einer solchen Anwendung erlaubt ist. Gewerbliche Masseur:innen arbeiten laut Wirtschaftskammer nicht zu therapeutischen Zwecken, ihr Bereich ist das Wohlbefinden. Massage zu Heilzwecken ist medizinischen Masseur:innen und Heilmasseur:innen vorbehalten und braucht immer eine ärztliche Diagnose und Anordnung.
Wer die Anwendung ohne Gesundheitsberuf anbietet, darf keine Krankheiten behandeln. Die Behandlung von Krankheiten, etwa einer Skoliose, bleibt Ärzt:innen und Gesundheitsberufen vorbehalten.