Was bedeutet Ohren anlegen?
Ohren anlegen ist eine Operation, bei der der Knorpel der Ohrmuschel so geformt oder befestigt wird, dass das Ohr weniger absteht. Abweichungen der Ohrmuschel sind häufig, laut einem medizinischen Nachschlagewerk betreffen angeborene Formabweichungen aller Art, von leichter Asymmetrie bis zum Fehlen der Ohrmuschel, bis zu 20 Prozent der Neugeborenen. Typisch sind eine zu wenig ausgeprägte Falte im Ohrknorpel oder eine besonders tiefe Ohrmuschel.
Körperlich haben abstehende Ohren kaum Folgen, sie können Betroffene aber seelisch stark belasten. Fachartikel beschreiben diese Belastung sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen.
Woher kommt die Ohrenkorrektur?
Als „Vater der ästhetischen Ohrkorrektur“ gilt in der Fachliteratur Edward Talbot Ely. Zwei grundlegende Nahttechniken beschrieben Mustardé 1963 und Furnas fünf Jahre später. Über die Jahrzehnte entstanden viele weitere Verfahren, eine einzelne eindeutig beste Methode gibt es laut Fachliteratur nicht.
Wie läuft der Eingriff ab?
Bei Säuglingen lassen sich abstehende Ohren in den ersten Lebensmonaten mitunter ohne Operation formen. Der britische Gesundheitsdienst NHS nennt dafür kleine Schienen, die vor dem Alter von sechs Monaten in den Rand der Ohrmuschel eingesetzt werden. Das ist schmerzfrei, weil der Knorpel dann noch weich ist. Für eine Operation sind Kinder unter fünf Jahren laut NHS nicht geeignet, weil die Ohren noch wachsen und der Knorpel die Nähte nicht hält.
Bei der klassischen Otoplastik wird hinter dem Ohr ein kleiner Schnitt gesetzt und bei Bedarf etwas Knorpel entfernt. Nähte formen das Ohr dann neu oder bringen es näher an den Kopf. Bei älteren Kindern und Erwachsenen ist das in örtlicher Betäubung möglich. Bei einer Variante ohne Hautschnitt wird der Knorpel mit einer Nadel biegsamer gemacht und mit Nähten fixiert.
Der Eingriff dauert ein bis zwei Stunden. Danach schützt bei Bedarf ein Kopfverband die Ohren, nachts für einige Wochen ein Stirnband. Laut NHS gehen die meisten Kinder nach ein bis zwei Wochen wieder zur Schule, Kontaktsport ist nach etwa acht Wochen wieder möglich.
Welche Risiken gibt es?
Häufig bleiben eine kleine Narbe hinter dem Ohr, einige Wochen empfindliche und schmerzende Ohren, Taubheit oder Kribbeln und leichte Blutergüsse. Gelegentlich entzündet sich der Ohrknorpel oder es bildet sich ein Bluterguss in der Haut des Ohres. Manchmal bleiben die Ohren monatelang steif, wirken ungleich oder stehen wieder ab. Fachartikel nennen außerdem wulstige Narben. Wie bei jeder Operation sind Blutungen, Infektionen und eine allergische Reaktion auf die Betäubung möglich.
Was gilt in Österreich, auch bei Kindern?
Das Gesetz über ästhetische Behandlungen und Operationen (ÄsthOpG) nennt die Korrektur abstehender Ohren als ästhetische Operation. Für Erwachsene gelten dann eine ausführliche Aufklärung über Risiken und Kosten und mindestens zwei Wochen Bedenkzeit bis zur Einwilligung. Ohne medizinischen Grund ist sie unter 16 Jahren verboten. Bei 16- bis 18-Jährigen braucht es die Einwilligung der Jugendlichen und der Erziehungsberechtigten sowie vorab eine psychologische oder psychiatrische Abklärung. Zwischen Einwilligung und Operation müssen dann mindestens vier Wochen liegen.
Die Erläuterungen zum Gesetz nennen das Anlegen abstehender Ohren aber auch als Beispiel für eine medizinisch begründete Operation. Stellt die Ärztin oder der Arzt eine solche medizinische Indikation fest, gelten weder das ÄsthOpG noch dessen Altersgrenze. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Krankenkasse zahlt, denn sie prüft nach eigenen Kriterien. Für rein ästhetische Eingriffe übernimmt die soziale Krankenversicherung die Kosten nicht.