balancio

Lagerungsschwindel

05:09

Auf den Punkt gebracht

Beim gutartigen Lagerungsschwindel lösen bestimmte Kopfbewegungen plötzliche, kurze Anfälle von Drehschwindel aus, etwa beim Hinlegen oder Umdrehen im Bett. Ursache sind meist winzige Kristalle, die sich im Gleichgewichtsorgan des Innenohrs gelöst haben. Der Schwindel ist unangenehm, aber harmlos und lässt sich mit gezielten Lagerungsmanövern meist gut behandeln.

Was ist Lagerungsschwindel?

Der gutartige Lagerungsschwindel ist eine häufige Form von Schwindel, hinter der eine Störung des Gleichgewichtsorgans steckt. Der Fachbegriff lautet benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel, kurz BPLS, international ist auch die Abkürzung BPPV gebräuchlich. „Benigne“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet gutartig, „paroxysmal“ heißt anfallsweise auftretend.

Etwa zwei von 100 Menschen bekommen im Laufe ihres Lebens einen gutartigen Lagerungsschwindel. Frauen sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer, am häufigsten Menschen zwischen 50 und 60 Jahren.

Woran erkennt man einen Lagerungsschwindel?

Typisch sind plötzliche Schwindelanfälle nach bestimmten Kopfbewegungen, bei denen sich scheinbar alles dreht. Auslöser sind zum Beispiel das Umdrehen im Bett, schnelles Hinlegen oder Aufstehen, den Kopf in den Nacken legen oder Bücken. Ein Anfall dauert meist weniger als eine Minute, manchmal einige Minuten. Wird der Kopf ruhig gehalten, klingt der Schwindel wieder ab.

Häufig kommt Übelkeit hinzu, manchmal auch Erbrechen, wobei die Quellen unterschiedlich oft davon sprechen. Manche nehmen die Umgebung als verwackelt wahr, weil die Augen dabei unwillkürlich ruckartig zucken, Fachleute sprechen von Nystagmus. Durch die plötzlichen Anfälle steigt vor allem bei älteren Menschen die Sturzgefahr.

Wie entsteht ein Lagerungsschwindel?

Ursache sind in der Regel winzige Kristalle, sogenannte Otolithen. Normalerweise sind sie in einer Membran in den Vorhofsäckchen des Gleichgewichtsorgans eingebettet. Lösen sie sich, treiben sie in der Flüssigkeit der Bogengänge, die Drehbewegungen des Kopfes erfassen.

Dadurch senden die Sinneshärchen eine Fehlinformation an das Gehirn, die nicht zu den Eindrücken der Augen passt, und es entsteht Schwindel. Warum sich die Kristalle lösen, ist bei den meisten Betroffenen unbekannt. Manchmal ist eine Verletzung wie ein Schleudertrauma oder ein Schädel-Hirn-Trauma der Auslöser, seltener eine andere Erkrankung des Innenohrs.

Wie wird Lagerungsschwindel festgestellt und behandelt?

Oft ergibt sich der Verdacht schon aus dem ärztlichen Gespräch. Bestätigt wird er mit einer Lagerungsprobe, bei der Kopf und Rumpf mit ärztlicher Unterstützung in einer festgelegten Abfolge bewegt werden. Löst das den typischen Schwindel samt Augenzucken aus, ist die Diagnose gestellt. Eine neurologische Untersuchung hilft, andere Ursachen auszuschließen.

Die Anfälle klingen in der Regel von selbst ab, meist innerhalb einiger Tage bis Wochen. Eine frühe Behandlung mit Lagerungsmanövern wie dem Epley- oder dem Semont-Manöver verkürzt die Dauer. Dabei sollen gezielte Bewegungsabfolgen die Kristalle aus dem Bogengang hinausbefördern, damit sie keine Anfälle mehr auslösen. Durchgeführt werden die Manöver von Ärzt:innen oder laut MSD Manual auch von erfahrenen Physiotherapeut:innen.

Das IQWiG fasst eine Cochrane-Auswertung so zusammen: Nach bis zu vier Wochen waren 52 von 100 Personen nach dem Epley-Manöver beschwerdefrei, ohne Behandlung 20 von 100. Epley- und Semont-Manöver erwiesen sich als gleich wirksam. Die Manöver gelten als sicher, können aber selbst kurz Schwindel und Übelkeit auslösen. Für zu Hause gibt es eigene Varianten, wobei nur das ärztlich empfohlene Manöver passt, denn ein falsches kann die Beschwerden verschlechtern.

Medikamente gegen Schwindel werden nicht routinemäßig empfohlen. Rückfälle sind häufig, bei etwa einem Drittel kehren die Beschwerden innerhalb von fünf Jahren zurück.

Wann ist rasch ärztliche Hilfe nötig?

Schwindel kann auch ernste Ursachen haben, etwa einen Schlaganfall. Warnzeichen für eine ernste Ursache sind laut MSD Manual neue oder starke Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Gangunsicherheit, Bewusstlosigkeit sowie Schwierigkeiten beim Hören, Sehen, Sprechen, Schlucken oder beim Bewegen von Armen und Beinen. Kommt plötzlicher Schwindel zusammen mit Doppelbildern, einer einseitigen Lähmung, Taubheitsgefühlen oder Sprachstörungen, muss sofort die Rettung unter 144 verständigt werden.

Laut MSD Manual gehören auch schwere oder über eine Stunde anhaltende Beschwerden sofort ins Krankenhaus. Bei plötzlichem, starkem und anhaltendem Drehschwindel ist in Österreich auch die Gesundheitsberatung 1450 rund um die Uhr erreichbar.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Ist diese Leistung interessant für dich?

Finde Spezialist:innen, die Dreh- und Lagerungsschwindel explizit als Schwerpunkt in ihrem Profil angegeben haben.

Quellen (7)