Was ist die Arbeit am Tonfeld?
Im Mittelpunkt der Arbeit am Tonfeld steht der Tastsinn. Das Tonfeld ist ein flacher Holzkasten, der mit Ton ausgestrichen ist, daneben steht eine Schale mit Wasser. Laut der Schule gibt es keine bestimmte Aufgabe, nur die Anregung, das Feld mit den Händen wahrzunehmen. Erwachsene arbeiten meist mit geschlossenen Augen, damit sich der Tastsinn frei entfalten kann. Kinder arbeiten mit offenen Augen und lassen oft Figuren und Geschichten entstehen.
Der weiche Ton nimmt jede Berührung auf, sodass die Bewegungen der Hände als Spuren sichtbar werden. „Bewegung wird Gestalt“ nennt die Schule als Schlüsselsatz der Methode. Ein schönes Werkstück ist dabei nicht das Ziel, im Vordergrund steht der Kontakt der Hände mit dem Material. Die Begleitperson ist anwesend und hilft, den Bewegungsprozess der Hände wahrzunehmen und zu verstehen.
Woher kommt die Arbeit am Tonfeld?
Begründet hat die Methode Heinz Deuser im Jahr 1972. In seinem Buch beschreibt er, wie er 1971 bei einer Tagung in Todtmoos-Rütte im Schwarzwald das „Geführte Zeichnen“ kennenlernte. Das dortige Zentrum hatten Karlfried Graf Dürckheim und Maria Hippius aufgebaut.
Den Anstoß zur eigenen Methode gab laut Deuser eine versteinerte Muschel, die Freund:innen mit geschlossenen Augen ertasten sollten. Die Art, wie jemand die Muschel ergriff, bestimmte, was er in ihr wahrnahm. Weil sich die Muschel aber nicht verändern ließ, suchte Deuser ein Material, das jede Bewegung aufnimmt, und fand es im Ton.
Wo wird die Arbeit am Tonfeld eingesetzt?
Laut der Schule richtet sich die Methode an Kinder, Jugendliche und Erwachsene und wird im pädagogischen wie im therapeutischen Rahmen angewendet. Ein Fachartikel von 2014 nennt private Praxen, Kliniken und Bildungseinrichtungen, vor allem Schulen und Kindergärten. Anlässe waren dort etwa Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen, belastende Erfahrungen oder Probleme in der Schule. Die Schule selbst versteht die Methode als entwicklungsorientiert und nicht als auf einzelne Beschwerden ausgerichtet.
Wie wird man Begleiter:in am Tonfeld?
Die Fortbildung bietet das von Deuser geleitete Institut berufsbegleitend an. Für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen dauert sie drei Jahre, für die Arbeit mit Erwachsenen kommt ein weiteres Jahr hinzu. Erst das Abschlusszertifikat berechtigt laut Institut, den geschützten Namen der Methode zu führen. Die ausgebildeten Fachkräfte kamen laut dem Fachartikel von 2014 aus sozialen oder therapeutischen Berufen, Ausbildungsinstitute gab es damals in Deutschland, Österreich und Frankreich.
Was weiß man über die Wirkung?
Aussagekräftige Studien zur Wirkung gibt es bisher kaum. Selbst der Fachartikel von 2014, der die Methode befürwortet, hielt fest, dass die beobachteten Veränderungen noch in keiner wissenschaftlichen Studie belegt waren. Auch eine Arbeit von 2026 beschreibt die Forschungslage als begrenzt. Sie begleitete eine einzelne Frau mit komplexer posttraumatischer Belastungsstörung über zehn Sitzungen. Ein solcher Einzelfall erlaubt laut den Autor:innen keine Rückschlüsse auf Ursache und Wirkung.
Wo liegen die Grenzen?
Die Arbeit am Tonfeld ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Die Untersuchung und Behandlung von Krankheiten auf medizinischer Grundlage ist in Österreich Ärzt:innen vorbehalten. Wer die Methode ohne Gesundheitsberuf anbietet, darf deshalb keine Krankheiten feststellen oder behandeln. Bei schweren Traumatisierungen sind kreative und körperorientierte Verfahren laut dem deutschen Gesundheitsinstitut IQWiG nicht zur alleinigen Behandlung geeignet.