Was bedeutet Kontemplation?
Allgemein meint Kontemplation eine in sich gekehrte Betrachtung, die nicht in eine Handlung mündet. In Religion und Mystik steht der Begriff für die Versenkung in die Werke Gottes und in Gott selbst.
Das Wort kommt vom lateinischen contemplatio für „Anschauung, Betrachtung“. Es geht auf templum zurück, das ursprünglich einen abgegrenzten Bezirk für die Vogelschau der Wahrsager bezeichnete. Ins Deutsche gelangte es im Spätmittelhochdeutschen.
Wie wird kontemplativ gebetet?
Eine heute weltweit verbreitete Form ist das Centering Prayer aus der christlichen, vor allem katholischen Tradition. Bekannt gemacht hat es in den 1970er-Jahren der Trappistenpriester Thomas Keating. Angeregt wurde es unter anderem durch das Zweite Vatikanische Konzil, das zur Wiederbelebung kontemplativer Übungen ermutigte. Keating berief sich auf ältere Schriften, etwa „Die Wolke des Nichtwissens“ sowie Texte von Johannes vom Kreuz und Teresa von Ávila.
Übende wählen ein heiliges Wort als Zeichen ihrer Absicht, sich Gottes Gegenwart zu öffnen. Sie sitzen bequem mit geschlossenen Augen und kehren behutsam zu diesem Wort zurück, sobald ihnen etwas anderes bewusst wird. Anders als die offene Wahrnehmung mancher Achtsamkeitsübungen gilt das Centering Prayer als Übung fokussierter Aufmerksamkeit.
Was zeigen Studien?
Eine Onlinestudie von 2024 ließ 702 Christ:innen vier Wochen lang täglich üben. Eine Gruppe übte das Centering Prayer mit religiöser Anleitung, eine zweite dieselbe Übung ohne religiösen Bezug, eine dritte dachte nur über ihren Tag nach. Das Wohlbefinden stieg in allen drei Gruppen, ohne Unterschied zwischen ihnen. Wer die religiöse Fassung übte, berichtete aber von mehr spirituellen Erfahrungen als die dritte Gruppe.